Stress Erste-Hilfe-Koffer Teil 2


 

Wut im Job!

Verkorkster Montag!

Stell dir vor, Du kommst am Montag ins Büro, bearbeitest eine schwierige und wichtige Sache am Rechner, bist zufrieden mit dir und froh das geschafft zu haben, und bevor Du speichern kannst, stürzt der Rechner ab und alles ist weg.  Alles umsonst gewesen: die schwierigen Formulierungen, deine Zeit, eilig war’s auch noch, jetzt stehst Du richtig unter Zeitdruck! - Das sind die Momente, an denen wir – eigentlich doch meist sehr friedfertigen Mensch – am liebsten unseren Rechner und jeden, der sich uns dann unvorsichtigerweise nähert – „an die Wand klatschen könnten“.

 

 

 

 Kennst Du das auch? Wenn wir dann nicht mit dieser Wut umgehen können, kann sie uns den ganzen Tag verkorksen. Und den unserer Kollegen auch. ;-) Zum Glück gibt es viele gute Wege, mit der Wut umzugehen. Und über 5 davon schreibe ich in diesem Artikel.

 

Wut ist gut! 

Doch wie alle Gefühle, hat auch Wut ihre Berechtigung und ist wichtig und gut für uns. Es ist völlig normal und ok, wenn wir wütend werden. Wir werden zum Beispiel oft wütend, wenn jemand unsere Grenzen überschreitet, uns etwas wegnehmen will oder Werte verletzt und respektlos wird. 

 

Wir mobilisieren dann so kraftvolle und starke Gefühle, dass wir sofort eine Veränderung in Gang bringen können, ohne zu überlegen. Wir fackeln dann nicht lange herum. Alles geht ganz schnell, selbst bei sonst eher ruhigen und langsamen Menschen. 

 

Wir holen uns dann sofort zurück, wenn uns ein anderer etwas genommen hat oder verweisen den anderen in seine Schranken. Für uns ist Wut also nicht nur ein Zeichen dafür, dass in dieser Situation etwas für uns nicht stimmt, sondern auch gleich Motivation und  körperlicher Energielieferant, um ins Handeln zu kommen. 

 

Es liegt an uns, zu lernen, mit diesem Kraftpotenzial so umzugehen, dass es uns nutzt und keine unnötigen Konflikte entstehen. Denn nicht immer ist das, was wir empfinden, vom anderen auch so gemeint gewesen. Oft interpretieren wir in andere Menschen hinein. Das heißt, wir stellen uns in unserer Fantasie nur vor, wie der andere das wohl gemeint hat. Dann ist Vorsicht angesagt!

 

Auch mal Tacheles reden

Je besser die Stimmung in der Abteilung mit Kollegen und Vorgesetzen ist, desto sinnvoller ist es jedoch, auch unsere Wut  mal an richtiger Stelle herauszulassen und „Tacheles“ zu reden.

 

Im Volksmund heißt es nicht umsonst „ein Gewitter reinigt die Luft“. Auf diese Weise verteidigen wir uns und unseren Raum und zeigen glasklar, dass es Ärger gibt, wenn jemand sich uns gegenüber respektlos verhält – auch, wenn es aus Blindheit heraus, unbewusst geschehen ist. 

 

Wichtig ist dabei, dass wir nicht unfair oder beleidigend werden, sonst fängt der Konflikt erst richtig an. Bei normalerweise guter Stimmung und professionellen kollegialen Beziehungen ist diese Gefahr jedoch meist nicht gegeben. Wenn wir nicht sicher sind, ob wir fair und professionell reagieren, sollten wir das Klärungsgespräch lieber vertagen, bis wir uns beruhigt haben und in Ruhe und mit Abstand die richtigen Worte und den richtigen Ton finden. 

 

Wohin mit meiner Wut im Büro?

Wohin aber mit der Wut im Büro, wenn ich mich sonst hinreißen lasse, etwas zu sagen was ich später bereue? Oder wenn der arme Rechner ja gar nichts dafür kann, dass ich zwischendurch nicht gespeichert habe, und es mir nicht wirklich hilft, wenn ich ihn gegen die Wand werfe.

 

Körperlich äußert sich die Wut in uns durch höchste Anspannung. Diese Anspannung in uns zu halten, zu unterdrücken oder in uns „hineinzufressen“, führt zu Aggression gegenüber uns selbst, zum Beispiel in Form von späteren Schuldgefühlen.

 

Was auch oft passiert, ist, dass die Wut oder körperliche Anspannung nicht „verraucht“, sondern immer wieder auftaucht. Abends, wenn wir uns ausruhen möchten oder noch Tage und Wochen später. Ein extrem wichtiger Aspekt ist deshalb, Anspannung und Aggression aus dem Körper herauszubekommen.

 

5 Wege mit Wut gut umzugehen

Hier sind 5 Wege, die uns helfen mit Wut gut umzugehen.

 

1. Wut aus dem Körper herauslassen

Natürlicherweise bekommt man die körperliche Anspannung und Aggression durch die Wut mit einer entsprechenden körperlichen Bewegung heraus. Für Frauen eignen sich dazu am besten Bewegungen aus der Hüfte heraus, wie treten oder – ja, tatsächlich: Fußballspielen!

 

Wichtig ist, dass wir wirklich mit aller Kraft aus der Hüfte heraus treten und alle Muskelanspannung herauslassen, uns dabei jedoch nicht verletzen (und nichts kaputtmachen). Das geht am besten mit einem Fußball oder Sitzball. 

 

Auch Schlagbewegungen gegen ein Polster oder den bekannten

Punching-Ball helfen. Ich kannte einen Kollegen, der tatsächlich einen in seinem Konzernbüro aufgehängt hatte. Wer sich jedoch keinen zulegen möchte, der kann stattdessen auch die Treppe herauf- und herunterlaufen, in einem sehr schnellen Tempo, so dass wirklich die Anspannung herausgeht.

 

Bei Wut gegenüber einer Person oder Gruppe hilft auch ein Handtuch in der Schublade im Büro. Bei Wut das Handtuch mit aller Kraft drehen, als wenn Du es auswringen wolltest. Dabei stellst Du Dir vor, natürlich nur in der Fantasie, dass die Sache oder Person auf die Du wütend bist, das Handtuch ist. Wenn Du es richtig gemacht hast, fühlst Du dich danach erleichtert und die Aggression gegenüber der Person verschwindet fast oder völlig. Wenn nicht, ist diese Übung nicht sinnvoll für Dich. Probiere es einfach mal.

 

Nicht sehr praktikabel im Büro, jedoch hilfreich bei Wut ist es auch, sehr sehr laut zu schreien und seine Anspannung auf diesem Weg herauszulassen. Schimpfen ist dann ausdrücklich erlaubt! Dafür sind Autos sehr gut – allerdings nicht beim Fahren, das ist zu gefährlich. ;-)

 

2. Von der Wut zum Lachen ist es nicht weit

Der Königsweg, um eine momentane Anspannung aus Wut aus dem Körper herauszulassen ist über Lachen.

 

Vielleicht kennst Du das auch, dass Du dich schon einmal richtig über jemanden geärgert hast, und der hat dann plötzlich eine wirklich witzige Bemerkung gemacht, und Du musstest spontan und herzhaft lachen, obwohl Du nicht wolltest. Deine Wut ist dabei in weniger als einer Sekunde völlig verflogen und Du warst plötzlich in einer ganz anderen, leichten Stimmung und konntest dem anderen ruhig und konstruktiv deinen Punkt erklären.

 

Wenn wir es also im Büro schaffen, uns zum Lachen zu bringen, können wir uns viel Stress und Anspannung ersparen. Vielleicht geht das über ein Cartoon, ein lustiges Video, ein inneres Bild, wie den Chef in gepunkteten Unterhosen oder eine/n humorvolle/n und witzige/n Kollegin/en.

 

Vielleicht kennst Du ja schon deinen individuellen persönlichen Weg, wie Du am besten die Anspannung aus dem Körper herauslässt. Wichtig ist nur, es auch zu tun und nichts in sich aufzustauen. 

 

3. Konflikte lösen und nicht eskalieren lassen

Wenn Du wieder ruhiger geworden bist und die Anspannung aus dem Körper heraus ist, vielleicht auch mit etwas Abstand einen Tag später, kannst Du dich daranmachen, den eigentlichen Konflikt zu lösen, damit er nicht eskaliert.

 

Als Vorbereitung ist es dazu sinnvoll, dir die Situation einmal von der Seite deines Konfliktpartners anzusehen. Das machst Du, indem Du dir „seine Schuhe anziehst“. Stell dir vor, Du steckst in seinen Schuhen: Du fühlst wie er fühlt, denkst wie er denkt, redest wie er redet und siehst die Sache wie er sie sieht. Wenn Du die Motivation des anderen verstehst, ist es sehr viel schwerer, wütend zu werden und sehr viel einfacher, miteinander ein respektvolles Gespräch auf Augenhöhe zu führen. 

 

Auch wenn Du (noch) nicht richtig wütend bist, sondern nur ärgerlich und Du merkst, dass ein Konflikt schwelt, ist es wichtig, ihn anzusprechen und zu lösen, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. 

 

Schwelende Konflikte bauen sich Schritt für Schritt so stark auf, bis es zum Ausbruch kommt, bei dem dann die Parteien oft keine konstruktive gemeinsame Gesprächsbasis mehr finden. Lieber also vorher über den Schatten springen und das Thema in ruhigem Zustand ansprechen, als sich nach einem eskalierten wütenden Gespräch womöglich immer aus dem Weg gehen zu müssen.

 

4. Wutmuster erkennen, verstehen und verändern

Nachdem die Wut verraucht ist, lässt es sich auch besser erkennen, ob es immer die gleichen Personen, die gleichen Situationen oder die gleichen Wörter sind, bei denen wir wütend werden. Beim Nachdenken darüber lassen sich oft Muster erkennen, für die wir uns andere Reaktions-verhalten als Wut angewöhnen können, wenn wir sie erkennen und verstehen. 

 

Wenn wir zum Beispiel merken, dass wir uns durch die Worte der Kollegin XY immer wieder angegriffen fühlen. Ist es die Art wie sie spricht? Erinnert uns das an jemanden, den wir nicht mögen aus unserer Vergangenheit? Dann kann die Kollegin gar nichts dafür, dass wir sauer werden. Wenn uns das wieder einfällt, wenn wir das nächste Mal mit der Kollegin sprechen, werden wir garantiert nicht mehr so wütend reagieren. 

 

Oder sind es bestimmte Reizwörter, die sie oft benutzt?  Vielleicht kann sie auch da nichts dafür und es ist unsere eigene Bewertung der Worte, die uns aufregt ohne dass sie davon weiß. Oder verhält sie sich oft respektlos, quatscht uns voll, unterbricht uns oder drückt sich vor unliebsamen Arbeiten? Auch in dem Fall, hilft es, sich die Situation in entspanntem Zustand von außen anzuschauen und ruhig zu überlegen, mit welchem Verhalten wir in diesen Fällen sinnvoll reagieren. Beim nächsten Mal, könnten wir dann zum Beispiel, klar, bestimmt, entspannt und selbstbewusst unsere Meinung oder NEIN sagen, anstatt wütend zu werden.

 

5. Präventiv verbale Attacken an dir „vorbei“ lassen

Bei dem letzten Punkt geht es darum, die Attacken von anderen im wörtlichen Sinne  „nicht an sich herankommen zu lassen“ und so erst gar nicht Wut über einen Angriff in mir entstehen zu lassen. 

 

Das ist besonders etwas für körperlich sehr feinfühlige Menschen. Beispiel: Wir stehen unter Kollegen zusammen und mein Kollege attackiert mich verbal. Diese Attacke trifft mich mit voller Wucht, wenn ich ihm frontal gegenüberstehe. Wenn ich mich jedoch mit einer schnellen Bewegung seitlich drehe, geht die Attacke seitlich „an mir vorbei“ und trifft mich nicht oder streift mich nur. 

 

Völlig unauffällig wirkt das, wenn Du dir dabei an den Kopf fasst oder zur anderen Seite schaust, als wenn Du dort jemand anderen sehen würdest. In der Abbildung unten habe ich beide Situationen noch einmal von oben schauend erklärt. Es ist ein bisschen wie bei einem Boxer, der den Schlägen seines Gegners ausweicht.

 

 

Besonders bei Angriffen, die uns provozieren sollen, ist das eine sinnvolle schnelle Handlung, um gelassen zu bleiben. Wenn ein Klärungsgespräch mit der Person vermutlich keine Hilfe mehr bringt oder bisher nichts gebracht hat. 

 

Probier‘s aus. 

 

Wie war’s?

Bei welcher Situation kann dir dieser Artikel helfen? Ich würde mich über dein Feedback sehr freuen. Ich wünsche dir für diese Woche weniger Wut und viel Entspannung und Gelassenheit in deinem Job! :-)

 

      Deine Regina Schneider

 

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